Katharina Schweitzer
Katharina Schweitzer, groß, breit, rotlockig, ist fest davon überzeugt, dass sie sich schon längst einen Stern erkocht hätte, wenn sie nicht immer über Leichen stolpern würde. Gelegentlich hadert die schwer gewichtige Köchin, Hauptfigur in fünf Romanen von Brigitte Glaser, deshalb mit ihrer Erfinderin. So auch im folgenden Interview.
Schweitzer: Wie bist du eigentlich auf die Idee gekommen, eine Köchin zur Hauptfigur deiner Krimis zu machen?
Glaser: Es gibt viele Krimis, in denen Detektive kochen oder gerne essen. Dreh das Ganze mal rum, habe ich gedacht, und so bist du entstanden.
Schweitzer: Dabei hast du gar keine Ahnung vom Kochen.
Glaser (empört): Das stimmt nicht! Ich habe schon als Kind gewusst, was gut riecht und schmeckt. Ich hab genau hingeguckt, wenn der Großvater den Nudelteig ausgerollt oder die Tante Flammkuchen gebacken hat.
Schweitzer lächelt mitleidig.
Glaser redet eifrig weiter: Und dann die vier Wochen in Paris bei Madame Kauffmann, das Jahr vor dem Abitur. Französische Küche rauf und runter, Artischocken, Hummer, normannischer Käse, all das hab ich bei ihr zum ersten Mal gegessen.
Schweitzer: Schon recht. Gut essen tun viele Leute gern.
Glaser: Kochen kann ich auch.
Schweitzer: Am heimischen Herd ...
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Foto: © Britta Schmitz
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Glaser: Stimmt. Als ich dich erfunden habe, habe ich mich mit professionellem Kochen beschäftigen müssen, und das ist wirklich etwas anderes, als zu Hause am Herd zu stehen.
Schweitzer: Wenigstens das hast du kapiert.
Glaser: Na klar! Schließlich habe ich mit Kollegen von dir geredet, in Restaurant-Küchen Mäuschen gespielt, Biografien von Köchen gelesen, mich in Koch-Logistik vertieft.
Schweitzer: Jetzt mal was ganz anderes. Kannst du mir mal sagen, wo die Sache mit Ecki hinlaufen soll? Mal hab ich was mit ihm, dann wieder nicht. Mal betrügt er mich, dann verlieb ich mich ...
Glaser: Ecki ist wirklich ein Problem! Was glaubst du, wie oft ich ihn schon rausschreiben wollte? Aber der Kerl ist nicht klein zu kriegen, er taucht immer auf, und dann sein Wiener Charme! Ich versteh schon, warum du immer wieder auf ihn reinfällst.
Schweitzer knurrt.
Glaser: Sag jetzt nicht, dass dir so ein Treuer-Gefährte-Typ als Liebhaber lieber wäre?
Schweitzer zuckt mit den Schultern, bevor sie sagt: Da machst du ja doch, was du willst. Aber apropos Profikochen. All zu viel davon ist nicht in deine Bücher eingeflossen.
Glaser: Jetzt sei mal nicht kleinlich. Im „Leichenschmaus“ erfahren die Leser viel über Arbeitsabläufe in einer Küchenbrigade und in der „Eisbombe“ einiges über Kochausbildung.
Schweitzer: Da pickst du dir natürlich die schönen Seiten des Berufs heraus. Was ist mit Kalkulation, Warenwirtschaft, Werbestrategien? Was mit Finanzierungskonzepten? Damit müssen wir Köche uns auch herumschlagen. Und nicht zu knapp.
Glaser: Na ja. Das ist für die Leser so interessant wie eine Steuererklärung. Deswegen würden die wenigsten ein Buch kaufen.
Schweitzer: Gastronomie ist ein Kamikaze-Geschäft. Du kannst schnell nach oben katapultiert werden, aber genauso schnell bankrott machen. Der psychische Druck, unter dem du stehst, so was muss doch gut für einen Krimi sein.
Glaser: Na klar! Hast du schon vergessen, in was für finanziellen Schwierigkeiten du in der „Mordstafel“ gesteckt hast?
Schweitzer: Hab ich verdrängt. Das war wirklich eine Scheißzeit. Zu wenig Gäste, die Bank im Nacken, die Leiche vor der Tür und die Schutzgelderpresser. Ich war mit den Nerven am Ende, und ich hatte kaum Luft geschnappt, da kamen Arîn und der Mord in der Berufsschule. Irgendwie könntest du mir mal eine Ruhepause gönnen, damit ich mich endlich um den Stern kümmern kann.
Glaser: Tu ich doch. Seit einem Jahr kochst du friedlich in der Weißen Lilie.
Schweitzer: Und? Waren die Michelin-Tester schon da? Hab ich jetzt einen Stern?
Glaser lenkt ab und meint: Ich finde, es wird Zeit, dass mal wieder was passiert.
Schweitzer mault: So krieg ich nie meinen Stern.
Glaser: Ist jetzt für Krimis nicht so wichtig, wenn ich das mal sagen darf.
Schweitzer seufzt, dann: „Spuck´s schon aus! Was hast du vor?“
Glaser: Du musst noch mal nach Hause in den Schwarzwald.
Schweitzer: Kann es sein, dass du sadistisch veranlagt bist? Oder warum lässt du mich schon wieder mit meiner Mutter aneinanderrasseln?
Glaser: Diesmal wirst du weder bei ihr wohnen, noch in der „Linde“ als Ersatzköchin einspringen wie in den „Kirschtoten“.
Schweitzer: Sondern?
Glaser: Zuerst die gute oder zuerst die schlecht Nachricht?
Schweitzer: Die gute.
Glaser: Die Geschichte wird „Bienenstich“ heißen. Du kannst dir schon mal für den Anhang Honigrezepte ausdenken.
Schweitzer: Ein Tannenhonig-Parfait, eine Honig-Vinaigrette, ein Lamm mit Honigkruste … Schöne Aufgabe. - Und die schlechte?
Glaser: Rosa stirbt.
Schweitzer: Rosa? Nein, bitte nicht Rosa …
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